Wo sind die guten Zombiefilme?
Montag 9. Februar 2009 von mighty.marcus
Wo sind die guten Zombie Filme?
Lang, sehr lang ist es her, da kam ich gerade von der Schule nach Hause und machte vorher noch einen Abstecher bei Onkel V., der einen Videorekorder hatte. Ja, damals gab es noch keine DVD-Player für 30 Euro.
Ich hatte bei ihm mal Asterix der Gallier angeschaut. Das schien aber der einzige für Kinder geeignete Film zu sein den er besaß (ich war um die 8 Jahre alt), weshalb er mir dann einige der damals absolut hippen Exploitation-Filme zeigte, wie z.B. diese Kannibalen Filme. Die waren ja nicht schlecht und klar war es für mich damals was besonderes, solche Filme sehen zu dürfen - im Vergleich zu Pumuckl, Captain Future, Tom & Jerry und die ganze andere TV-Kost (die ich aber damals auch liebte).
Einer dieser Kannibalen Filme ist mir dabei besonders in Erinnerung geblieben - es handelte sich um irgend eine Blondine im Dschungel, die von Menschenfressern gekidnapped wird.Die weiße Göttin der Kannibalen oder so etwas. Wie dem auch sei, wenn ich mir diese Filme heute aus nostalgischen Gründen mal ansehe, wundere ich mich darüber, dass mir dieser Schrott damals gefallen hat. Jedoch bildet ein Film eine besondere Ausnahme.
Nach dem der Kannibalen Film die Kinoleinwände eroberte hatte, revolutionierte ein Mann namens George A. Romero das Menschenfresser Thema mit meinem bis heute absoluten Zombie Lieblingsfilm Dawn of the Dead, der auch in Deutschland unter einer bestimmten Version als Zombies im Kaufhaus erschienen ist. Der Vorgänger Night of the Living Dead war auch nicht zu verachten, aber Zombie I - Dawn of the Dead ist für mich DER Zombie Film überhaupt.
Nie wieder sollte es einen Zombie Film geben, der eine so geniale Atmosphäre einer Zivilisation am Ende ihres Seins aufbauen kann. Alle folgenden Zombie Filme machten den Fehler sich zu sehr auf die Gewaltszenen zu konzentrieren, auf Blut, Gedärme und Brutalität an sich. Romero ging es ja nicht um die Exploitation an sich, er erschuf nicht den Zombie Film der Gewalt willen, sondern diese Form ermöglichte es ihm eine Welt zu zeigen, die sich sprichwörtlich selbst auffrass, sein Film ist eher als Gesellschaftskritik zu verstehen, nicht als Horrorschocker.
Der damals kaum beachtete Regisseur Lucio Fulci drehte die italienischen Billigfilme Ein Zombie hing am Glockenseil, Woodoo - Schreckensinsel der Zombies und Geisterstadt der Zombies, die selbstzweckhaft die Möglichkeiten auskosteten bei dieser Art von Film Blut spritzen und Gedärme aus Körpern herausreissen zu lassen. Es ging nur um die Darstellung grausamer Gewalt, eine richtige Aussage hatten sie absolut nicht zu bieten. Trotzdem war Fulci frech genug sein Werk Woodoo als Zombi 2 herauszugeben, wenn auch ohne “ie”, um den Eindruck zu erwecken, es handele sich dabei um Zombie - Dawn of the Dead 2.
Der wirkliche zweite dritte Teil (dritte Teil, wenn man Night of the Living Dead als ersten Teil zählt) der Zombie Trilogie (sag ich doch) gehört für mich ebenso zu den besten Zombiefilmen die es gibt. Die Endzeitatmosphäre wurde auch hier sehr gut dargestellt. Nun ist auch schon beinahe die gesamte Erdbevölkerung zu Zombies mutiert. Überlebende wohnen in einer unterirdischen Festung. Obwohl der Film auch äusserst brutal ist, geht es trotzdem nicht nur darum Gewalt und Grausamkeit zu zeigen - es geht eher darum, wie die Überlebenden mit der Situation zurecht kommen, wie sie miteinander umgehen. In ihrer unterirdischen Welt versuchen sie Mensch zu bleiben. Militär und Wissenschaftler leben zusammen und versuchen einen Ausweg aus der Misere zu finden - dramatisch wird es, als sich die Beziehung zwischen den Militärs und den Wissenschaftlern immer mehr verschlechtert, bis es zwei gespaltene Gruppen gibt. Sehr, sehr empfehlenswerter Film, nicht nur für Zombie Fans.

Der verrückte Professor aus Day of the Dead will beweisen, dass man die Zombies konditionieren kann. Hier sein Liebling Bub mit Kopfhörer.
Mit Return of the Living Dead 1, 2, und 3 kamen dann in den 80ern Zombie Filme auf den Markt, die fast als Komödien anzusehen sind oder doch sehr in diese Richtung gehen - auch wenn Blut und Gedärme natürlich bei einem Zombiefilm nicht fehlen dürfen.
Ich hab mich dann aber lange Zeit nicht mehr mit Zombie Filmen beschäftigt, bis ich 2004 die Neuverfilmung von Dawn of the Dead sah, die ich gar nicht mal schlecht fand. Die Atmosphäre kam in keinster Weise an das Original ran, allein wenn ich jetzt darüber nachdenke überlege ich mir, ob ich ihn mir nicht nach dem Schreiben dieses (allerersten) Artikels meines neuen Blogs noch mal reinziehe. Aber als Actioner ist er durchaus zu gebrauchen. Als echter Zombie Film Fan war es für mich natürlich erst mal ein Schlag ins Gesicht diese rennenden Mutantenzombies zu sehen - nichts ist gruseliger als ein Haufen verwesender, langsam auf dich zuhumpelnder Leichen die nur eins wollen - dich mit Haut und Haar bei lebendigem Leib auffressen! Aber das Remake war mal etwas neues und deshalb vergleiche ich die Filme auch nicht direkt miteinander. Hauptgericht bleibt das Original - aber wenn es mal mit mehr Zucker sein soll, oder mit mehr Pepp, dann ist es auch mal schön sich das Remake reinzuziehen.
Dann kam auch noch 28 Days Later, und ich war wieder vom Zombie Virus infiziert. Zugegeben, ich habe mir zwischendurch schon mal Actioner wie Resident Evil angesehen - der kam im Kino eigentlich ganz gut. Und ich spielte das Spiel auch gern. Aber es war halt wieder nur Zuckerwatte, nicht so ein 3-Gänge-Menue wie Day of the Dead und Dawn of the Dead. Trotzdem hielt ich meine Augen und Ohren auf und guckte im Laufe der Zeit Filme wie The Undead, The Stink of Flesh, Day of the Dead - Contagium, Land of the Dead und sogar Filme wie Planet Terror.
Aber es war halt nicht wirklich das, was ich sehen wollte.
Es wird einfach mal wieder Zeit für einen wirklich guten Zombie Film. Leider konnte ich mich von Romeros neuestem Film Diary of the Dead noch nicht überzeugen, d.h. ich hätte es schon gekonnt, aber den Film gibt es bisher nur auf Englisch - und wahrscheinlich wird das auch so bleiben. Klar kann ich Englisch, aber ich sehe mir Filme lieber an, die in meine Muttersprache synchronisiert sind.
Man sieht also, ich bin ein Zombie Junkie, der - einmal durch Dawn of the Dead angefixt - immer noch nach dem perfekten Zombie Film sucht und immer und immer wieder enttäuscht wird. Vermutlich kann es auch gar keinen Film für mich geben, der Day of the Dead ersetzt, obwohl sich die meisten Zombie Filme auch nicht gerade viel Mühe geben mich zu überzeugen.
Immerhin bleibt mir noch das Vergnügen sporadisch mal wieder einen alten Klassiker einzulegen und nochmal 8 Jahre alt zu sein. Das ist es ja wahrscheinlich, was Nostalgie ausmacht - wir holen uns die Vergangenheit zurück.
(Und ja, ich finde es auch nicht richtig Kindern solche Filme zu zeigen - was sich der gute alte Onkel V. damals wohl dabei gedacht hat? Aber mir haben die Filme gefallen und mir geht es soweit ganz gut.)
Dieser Beitrag wurde erstellt am Montag 9. Februar 2009 um 11:12 und abgelegt unter Medien. Kommentare zu diesen Eintrag im RSS 2.0 Feed. Sie können einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf Ihrer Seite einrichten.
Montag 1. Juni 2009 um 13:05
diary of the dead und 28 days/weeks later sind einfach hammer filme….aber sonen richtig guten brauchen wir mal wieder!
Sonntag 21. Juni 2009 um 07:08
Klasse Beitrag !
Habe ähnliche Erinnerungen und muss Dir zustimmen:
Es gab nach Zombies im Kaufhaus nie wieder diese Endzeitstimmung.Außerdem fand ich damals schon Klasse dass man mit einem VW Scirocco durch ein Kaufhaus fahren kann!!